En détail

Der Begriff Resilienz stammt aus der Materialkunde. Mit ihm wird diejenige Werkstoffeigenschaft  bezeichnet, die das Material auch nach heftiger Druckeinwirkung wieder in ihre ursprüngliche Form zurückspringen lässt.
Ein einfaches Beispiel hierfür ist ein Schwamm, den man zusammendrücken kann, wie man möchte. Er findet seine Ursprungsform immer wieder – und den Eltern kleiner Kinder unter Ihnen kommt vielleicht spontan die eine oder andere Folge „SpongeBob“ in den Sinn. Resilienz ist Widerstandsfähigkeit in allen Lebenslagen, könnte man sagen. Wir kennen diese Kraft. Wir beschreiben Menschen als ‚Stehaufmännchen‘ und sind beeindruckt, mit welcher Energie sie Krisen meistern, sei es eine unschöne Trennung, den Todesfall eines geliebten Menschen oder eine schwere Krankheit.

Lange Zeit hat sich die westliche Medizin darauf konzentriert, Menschen erst dann zu behandeln, wenn sie krank geworden sind. Der Frage, was ein Mensch tun kann, um seine körperliche und seelische Gesundheit zu erhalten, kam erst viel später auf. Erst nach dem zweiten Weltkrieg setzte ein allmähliches Umdenken statt. Und auch dieses Umdenken dauerte. Die Definition von Resilienz, die vor diesem Kapitel steht, ist weniger als 20 Jahre alt. Warum nun ist diese Definition so wichtig für uns? Sie stellt eine Revolution dar in der Art und Weise, wie wir uns selbst betrachten. Es geht nicht mehr darum, zu heilen, wenn die Krise oder die Krankheit da ist. Es geht vielmehr darum zu schauen, wie wir uns im Alltag stärken, um etwaige Krisen besser zu überstehen. Und das Beste daran ist, dass uns die Resilienzfaktoren auch in unserem normalen, täglichen Leben maßgeblich unterstützen. Begonnen hat die Resilienzforschung auf Hawaii. Die aus Deutschland stammende Wissenschaftlerin Emmy Werner untersuchte über mehrere Jahrzehnte hinweg die Lebensgeschichte von rund 700 Kindern, alle im Jahr 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai geboren. Etwa 200 dieser Kinder stammten aus Familie mit schwierigen Startvoraussetzungen, also Familien, die unter Armut, Gewalt, Krankheit, Sucht oder Kriminalität litten. Man war davon ausgegangen, dass diese 200 Kinder auf Grund ihrer Herkunft auch selbst schwierige Leben führen würden. Das war allerdings nicht der Fall. Mehr als ein Drittel dieser Kinder gründeten Familien und lebten ein ganz normales Leben, ohne mit Sucht oder dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Sie widerstanden ihren
Lebensumständen und entwickelten sich zu gesunden, glücklichen und erfolgreichen Erwachsenen. Nun untersuchten Emmy Werner und ihr Team, warum es diesen Kindern gelungen war, ihre schlechten Startbedingungen zu überwinden. Die Wissenschaftler wollten verstehen, was die Faktoren waren, die diese Kinder von den anderen unterschieden. Dabei stellten sie fest, dass es nicht allein genetische Faktoren waren, die Krisenresistenz definierten. Resilienz wird zwar auch vererbt, aber nur zu einem geringen Anteil. Es war vor allem ein starkes psychisches Immunsystem, welches den Kindern half, ihren guten Weg zu gehen. Ihre Resilienz war das Ergebnis von Strategien, die sie im Laufe ihres Lebens erarbeiteten. Insgesamt wurden sieben Faktoren identifiziert, die Widerstandskraft stärken und dadurch helfen, Krisen zu überwinden. Diese sieben Resilienzfaktoren stellen wir Ihnen im Folgenden vor. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, uns zu stärken, denn Resilienz ist bedauerlicherweise nicht nach einmaligem Aufbau für immer gesichert. Der Mensch ist mal mehr, mal weniger widerstandsfähig. Daher tun wir gut daran, unseren „Resilienztank“ bewusst mit unseren Kräften umzugehen und die Widerstandkräfte immer wieder aufzufüllen. Im Idealfall lernen wir mit unseren Kräften achtsam umzugehen, so dass unser Resilienztank niemals gänzlich geleert ist.

Formateurs

Mona Oellers –  Persönlichkeitstrainerin und Coach zum Selbstmanagement, coolness- und Anti-Aggressivitäts-Trainerin; cooldown®-Trainerin, ausgebildete Theaterpädagogin und Bestseller Autorin.